Ukraine Hilfsgüter Tour

05.08.2022

Die Vorbereitungen haben schon einige Wochen vor der eigentlichen Tour begonnen. Es wurde mit unserer Partnerorganisation "Humanist Poltava" abgestimmt, was genau benötigt wird. Die Spendenbereitschaft insgesamt ist stark zurückgegangen, Sachspenden finden fast gar nicht mehr statt. Zum Glück erhalten wir aber immer wieder Geldspenden, ab und an auch mal in größerem Umfang, sodass wir die benötigten Hilfsgüter einkaufen können. Um möglichst zielgerichtet zu helfen, haben wir im Vorfeld in enger Abstimmung mit unserer Partnerorganisation "Humanist Poltava" eine Bedarfsliste erstellt und diese abgearbeitet. Um mit den vorhandenen Geldmitteln möglichst viele Hilfsgüter erwerben zu können, sind wir natürlich darauf bedacht, sehr günstig einzukaufen. Dafür durchstöbern wir das Netz nach Sonderangeboten. Die Drogerieartikel haben wir beim "dm-drogerie markt", viele haltbare Lebensmittel beim Onlineanbieter "Lebensmittel-Sonderposten" bestellt. Natürlich haben wir darüber hinaus bei lokalen Supermärkten eingekauft. Ursprünglich war eine Tour mit 2 Transportern geplant. Erfreulicherweise konnte durch 2 Helfer Kontakt zu 3 Firmen hergestellt werden. Es handelt sich um die Firmen "Tressbrüder", die uns 800 Portionen Bio Suppen gespendet hat, die Firma "Tress", die uns 3 Paletten Nudeln gespendet hat sowie die Firma Adam Matheis GmbH & Co. KG, die uns 200 Entspannungsdecken gespendet hat. Dadurch hatten wir so viele Spenden, dass wir mit 3 Transportern fahren konnten.

Am 22.07.2022 ging es dann los. Die 3 Transporter waren jeweils mit 2 Fahrern besetzt, damit man sich unterwegs abwechseln konnte. Dawid Dymek und Patric Wegner (beide aus Römerberg) fuhren mit einem gemieteten ADAC- Transporter. Dieser war voll beladen mit eingekauften Hilfsgütern und ca. 200kg Hundefutter, gespendet von "Dehner Speyer". Für die beiden ging es zunächst nach Bietigheim-Bissingen zum "Autohaus Weller", um den zweiten Transporter, einen Opel "Movano" dort abzuholen. Das Autohaus unterstützt sehr tatkräftig, in dem es uns das Fahrzeug kostenlos zur Verfügung stellt. Diesen Transporter übernahm Patric und es ging weiter nach Göppingen zu Thomas Ulmer. In unserem Lager in Göppingen wurde nun auch der "Movano" mit Hilfsgütern beladen. In der Zwischenzeit fuhr Kai Tress aus Oberstetten mit einem Sprinter, der uns kostenlos von "Tommis Sport-Shop" zur Verfügung gestellt wurde, zu einer Spedition, bei der die Tress- Suppen eingelagert waren, und ließ sich diese in den Sprinter verladen. Danach fuhr Kai zuerst zur Firma Tress, um die 3 Paletten Nudeln aufzunehmen und im Anschluss nach Süßen, um seinen Beifahrer Martin Gelmar abzuholen

In der Zwischenzeit ist auch Michael Thürmer aus Freiburg in Göppingen angekommen. Es ging dann direkt zur Firma Matheis, um die gespendeten Entspannungsdecken abzuholen. Und dann ging es endlich los. Unser erster gemeinsamer Stopp war in Ingolstadt, wo wir Sergej getroffen haben. Sergej hat ukrainische Wurzeln, lebt aber schon viele Jahre in Deutschland und hat eine eigene Sicherheitsfirma. Er hat schon öfters Hilfstouren nach Mukatschewo (Ukraine) organisiert und hat angeboten mit uns zu fahren, um beim Grenzübertritt zu helfen. Dieses Angebot konnten wir nicht ausschlagen. Nachdem die Zollpapiere fertig waren und wir uns mit einem Kaffee gestärkt hatten, ging es gegen 19 Uhr weiter. Thomas und Dawid haben in Ingolstadt noch kurz bei einem ALDI gehalten, um die restlichen Lücken im ADAC- Transporter mit Lebensmitteln zu füllen. Die nächtliche Fahrt durch Österreich und Ungarn verlief trotz hohen Verkehrsaufkommens reibungslos, so dass wir am Samstag gegen 9 Uhr morgens am Grenzübergang "Luzhanka" (Ungarn/ Ukraine) angekommen sind. Der Plan war, dass alle 3 Transporter zuerst nach Mukatschewo fahren. Dort sollte das Futter für die Polizei- und Militärhunde sowie der Aldi- Einkauf für ein Waisenheim, welches auch Kriegswaisen beherbergt, abgeladen werden. Und anschließend sollte es weiter nach Lutsk zum Lager von "Humanist Poltava" und "Dobra Sprava" gehen. Es kam aber alles anders. Dem Fahrerteam Thomas und Dawid wurde vom ungarischen Grenzschutz die Ausreise kommentarlos verboten und sie mussten umdrehen. Die anderen 2 Transporter und Sergej mit seinem Privat-PKW durften weiterreisen. Es wurde beschlossen, dass sie die Tour wie geplant fortsetzen, während sich Dawid und Thomas nun einen neuen Plan überlegen mussten

Die Tatsache, dass die Hilfsgüter für Mukatschewo ausgerechnet in Ihrem Wagen waren, machte die Sache nicht einfacher. Die zwei haben zuerst versucht, einen Transporter aus der Ukraine zu organisieren, der an die Grenze fährt, um die Spenden abzuholen. Das ist ihnen in der kurzen Zeit leider nicht gelungen. Nachdem sich keine weitere Möglichkeit ergeben hat, haben Dawid und Thomas nach gut 4 Stunden in der Grenzregion beschlossen, einen Umweg über Polen zu machen und es dort zu versuchen. Von dort aus sind sie bei der letzten Tour ohne Probleme in die Ukraine eingereist. So sind Dawid und Thomas dann über die Slowakei nach Polen gefahren, wo sie gegen 16:30 Uhr am Grenzübergang "Kroscienko" angekommen sind. Der Empfang der polnischen und ukrainischen Grenzschutzbeamten war freundlich. Und nach einer Stunde Zollabfertigungszeit mit nettem Smalltalk waren die beiden dann endlich auch auf ukrainischem Boden. Nun hieß es auf direktem Weg nach Lutsk, wo die anderen beiden Teams bereits angekommen waren.

Auf dem Weg nach Lutsk haben Dawid und Thomas dann die Info erhalten, dass in der ganzen Ukraine ab 23 Uhr eine Ausgangssperre gilt. Ankunftszeit in Lutsk laut Navi wäre 23 Uhr gewesen, weshalb die beiden entschieden haben, in Lwiw zu stoppen, dort zu übernachten und am nächsten Morgen nach Lutsk zu fahren. Sie haben dann in Lwiw zu Abend gegessen, sich noch ein wenig die Stadt angeschaut und sind dann pünktlich um 23 Uhr in ihr Hotel gegangen, um ein paar Stunden vernünftigen Schlaf zu bekommen - es waren in der Zwischenzeit alle über 30 Stunden unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die beiden anderen Teams bereits auf dem Rückweg nach Deutschland und haben rechtzeitig vor Inkrafttreten der Ausgangssperre die Grenze erreicht. Nachdem sie die Grenze passiert haben, haben sich alle erstmal eine Runde im Auto schlafen gelegt, damit sie am Sonntagmorgen halbwegs ausgeruht die Heimreise antreten konnten. Nach ein paar Stunden erholsamen Schlaf ging es für Dawid und Thomas Sonntag früh um 6.30 Uhr weiter nach Lutsk. Bis dorthin lagen noch 2,5 Stunden Autofahrt vor Ihnen. In Lutsk angekommen wurden wir von einem Lagermitarbeiter freundlich empfangen und wir haben unsere Spenden im Lager ausgeladen. Anschließend ging es für Dawid und Thomas zurück in den Süden nach Mukatschewo, um dort dann endlich noch das Waisenheim mit den Lebensmitteln und die Polizei- und Militärhunde mit dem Hundefutter zu versorgen. In Mukatschewo gegen 15:30 Uhr angekommen haben Thomas und Dawid die Spenden bei Tanja abgeladen. Tanja ist die Mutter von Sergej aus Ingolstadt. Sie ist seit Kriegsausbruch sehr aktiv und organisiert humanitäre Hilfe für Binnenflüchtlinge, das Waisenheim und die Polizei- und Militärhunde. Nach dem Abladen der Spenden hat uns Tanja zu Kaffee und Kuchen bei sich eingeladen. Wir hatten ein langes und konstruktives Gespräch in dem uns Tanja die Situation vor Ort in Mukatschewo geschildert hat. Was die meisten nicht wissen: Viele Städte in der Zentral- und Westukraine müssen viele Binnenflüchtlingen versorgen. Mukatschewo hat auf Grund von Binnenflüchtlingen aktuell eine doppelt so hohe Einwohnerzahl als vor dem Krieg. Eine riesige Aufgabe...

Gegen 16:30 Uhr brachen Dawid und Thomas bei Tanja auf. Sie gingen noch zu einem bekannten Lokal in Mukatschewo, das am Fuße der Burg Palanok, eines der Wahrzeichen Mukatschewos, gelegen ist. Nach dieser kurzen Pause mit entsprechender Stärkung machten sich die beiden dann auch auf den Heimweg. Gegen 18 Uhr sind sie am Grenzübergang "Luzhanka" Ukraine/Ungarn angekommen. Ja, genau eben dieser, bei dem sie gut 33 Stunden zuvor nicht durchgelassen wurden. Aber sie mussten es dort versuchen, da alles andere erneut einen riesigen Umweg bedeutet hätte. Die Spannung war also groß was nun in umgekehrter Richtung passieren würde. Die ungarischen Grenzbeamten haben sie über eine Stunde ohne ersichtlichen Grund warten lassen. Aber nach insgesamt 2 Stunden hatten sie es geschafft, sie waren wieder in der EU. Nun ging es für die zwei so schnell und sicher es geht in die Heimat zurück, schließlich waren die anderen 2 Teams wie geplant am Sonntagabend bei ihren Familien zurück. Thomas und Dawid hatten da bis nach Hause noch ca. 1200 km vor sich. Die Rückfahrt über Ungarn und Österreich lief problemlos. Gegen 06:30 Uhr Montag früh kamen die beiden in Göppingen bei Thomas zu Hause an. Thomas hatte an diesem Tag frei, Dawid hat sich spontan frei nehmen müssen.

Bei Thomas gab es noch einen starken Kaffee und anschließend fuhr Dawid die restlichen 160 km nach Römerberg zurück. 

Das war unsere Hilfstour in die Ukraine.
Wir haben wieder vieles erlebt, positiv wie negativ. Wir haben wieder viele interessante Gespräche führen dürfen, die uns gezeigt haben, dass die Hilfe immer wichtiger wird. Mit jedem Kriegstag steigen auch die wirtschaftlichen Probleme, viele Leute verlieren ihren Job und wissen nicht, wie sie ihre Familien zukünftig ernähren sollen. Mit dieser Fahrt ist uns die Ukraine nochmal ein Stück mehr ans Herz gewachsen und unsere Motivation ist - entgegen dem allgemeinen Trend - größer als je zuvor. Mit Tanja haben wir einen weiteren wichtigen Kontakt gewonnen, den wir neben "Humanist Poltava" zukünftig unterstützen möchten. Spendern, denen Tiere besonders wichtig sind oder Unterstützer, die sagen sie möchten sehr konkret Waisenkindern helfen, bieten wir damit diese Möglichkeit.

Wir werden weiterhin Spenden sammeln und die Ukraine unterstützen, solange das nötig sein wird. Bei uns landen die Spenden nicht irgendwo, sondern wir helfen sehr konkret damit. Entsprechende Bilder belegen das. Du kannst also sicher sein, dass auch deine Spende nicht irgendwo versickert, sondern 1:1 dorthin geht, wo sie am dringendsten benötigt, wird: bei den Bedürftigen in der Ukraine!

Solidarität ist unsere Waffe!

Diese Fahrt hat uns insgesamt 12.929,11€ gekostet. Davon waren es 9.541,77€ für den Einkauf von Hilfsgütern, 716,70€ für die ADAC Transporter Miete und 2.670,64€ für Sprit. Die Sachspenden hatten einen Wert von 12.250,00€. Davon waren es 4.000€ Tresssuppen, 2.250€ Tressnudeln und 6.000€ Entspannungsdecken. Nun folgt der Spendenaufruf, um unsere Hilfe in der Ukraine weiterhin anbieten zu können sind wir auf Geldspenden und Sachspenden angewiesen. Das Guthaben von unserem Vereinskonto ist durch diese erfolgreiche Tour erheblich gesunken und aktuell ist es uns (noch) nicht möglich eine Fahrt in die Ukraine (aus finanziellen Gründen) zu machen. Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns dabei unterstützen können!

Dawid Dymek mit Thomas Ulmer
Vorstandsmitglieder Süd-West Sonne für die Ukraine e.V.